Eine Straßenfasnet mit Masken und Larven hat es vermutlich schon vor dem ersten
Weltkrieg gegeben, worauf die Redensart der alten Leute, Maschker springen, hindeutet.
Ob es sich dabei um älteres Brauchtum oder um eine neu entstandene Sitte handelte,
lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.
Erhard Schillsott, geboren 1905, antwortete auf die Frage, ob er sich
an das Feiern der Fasnet im heutigen Sinn in der Generation seines Vaters erinnern
könne: „Nein“, sie hätten an der Fasnet lediglich auf der Straße
„herumkrakeelt“.
Mit Sicherheit war die Dettenseer Fasnet bis in die 50ziger Jahre auf den Dienstag
beschränkt.
In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gab es schon eine ausgepägtere Straßenfasnet.
So wurden in der Zeit der Weltwirtschaftkrise schon Umzüge veranstaltet, wobei man sich
entweder als Zigeuner verkleidete, mit altem Frack und Zylinder oder als Domino erschien.
Auch zwei bis drei „Strohbären“ waren mit dabei. Das waren ganz in Erbsenstroh eingebundene
junge Männer, die man an einer Leine führte und die dabei von den Begleitern durch
rhythmisches Schlagen von alten Kochtopfdeckeln zum Tanzen gebracht wurden.
Zu Anspielung auf Personen kam es ebenfalls. Zum Beispiel wurde auf einem damaligen Umzug
eine Kamel-Attrappe mitgeführt, auf dem kleine Kinder saßen. Das Kamel sollte
dem damaligen Dorfschullehrer Westhauser darstellen.
In dieser Zeit gingen zur Fasnet drei junge Männer durch den Ort. Der Erste hatte die
Schelle des Ortsbüttels, der Zweite eine Bockleiter und der Dritte eine Laterne bei sich.
Bei jedem Halt, wenn der Erste das Ausschellen beendet hat, begann der Zweite sein Ausrufen
von der Leiter mit dem Wort „Bekanntmachung!“, und der Dritte stand mit der Laterne am Fuß
der Leiter. Ob dabei nur der beginnende Fasnetsumzug ausgerufen wurde, oder ob es auch eine
Art Fasnetpredigt war, ist nicht mehr sicher zu sagen.
Das Ganze wurde nicht von einem Verein organisiert, sondern von den jungen Männern des
Ortes.
Soweit sie konnten - beziehungsweise: soweit sie durften -, haben die Kinder ebenfalls
an der Fasnet teilgenommen. Damals war Nachmittags noch Schule und der Dorflehrer
ein Gegner der Fasnet. Die Kinder trugen einfache Masken aus Pappe, die sie selbst bemalt hatten.
War solch eine Pappmaske gekauft, wurde sie mehrere Jahre benutzt, auch wenn die Maske durch
das Schwitzen schon recht aufgeweicht und verformt war. Gesichtstücher aus Stoff
waren ebenfalls sehr häufig. Die Kinder gingen dann maskiert durch den Ort, um zu
„betteln.“
Den Kindern, die Erstkommunion hatten, war das Fasnetspringen verboten.
Als Narrengeräte waren damals nur „Saublôder“ (Schweinsblase) und ab
nd zu die „Rätsche“ bekannt. Nach dem zweiten Weltkrieg, Ende der vierziger,
Anfang der fünfziger Jahre, hatten sich Einzelne Narrenscheren zugelegt,
welche aber inzwischen ebenso wieder verschwunden sind, wie die etwas älteren
Rätschen.
Kurz vor Beginn des II. Weltkriegs kamen die ersten „Schantle“ - in Dettensee werden alle
Holzmasken mit Fleckenkleid als „Schantle“ bezeichnet - über das Nachbardorf Empfingen in
den Ort.
Während des II. Weltkrieges und danach bis 1947 wurde keine Fasnet mehr gefeiert.
Ab 1947/48 kam es dann wieder zu Fasnetsumzügen, die wie vor dem Krieg am Dienstag stattfanden. Es nahmen jedoch mehr Wagen- als Läufergruppen daran teil. Mitte der Fünfziger Jahre wurde einmal versucht, die Fasnet in Form einer Hocketse zu veranstalten. Diese Art, Fasnet zu feiern, wurde von den jungen Männern nach Vorgabe der älteren Generation begangen. Allerdings blieb es wegen starken Regens bei einem Versuch.
Die einzige Dettenseer Maske vor 1939 kam aus Empfingen; den dazu gehörigen Anzug mit den
bunten Flecken hat der Besitzer selbst gemacht.
Nach dem II. Weltkrieg besorgten sich einige junge Männer Masken; sie kauften sie in Empfingen
oder ließen sie dort schnitzen. Zum Teil fertigten sie sie auch selbst an. Passende Kleidung
dazu wurde im Allgemeinen auch selbst hergestellt.
In diesem Zug ließen sich noch etliche Leute Anfang bis Mitte der 50er Jahre ihre Masken
individuell beim Bildhauer Bergmann anfertigen. Die Fleckenkleider wurden alle von den Familien
der Träger verschieden gestaltet, wobei die Idee von den Empfingern übernommen wurde.
Ein Geschell war damals nicht üblich.
Wenn man sich mit der Dettenseer Fasnet beschäftigt, darf auch der Schmotzige Donnerstag
(„der ruaßige Dauschtich“) nicht unerwähnt bleiben. Am Schmotzigen
Donnerstag werden von den „Gatter-“ oder „Haubenhexen“ alle Leute,
die sich auf der Straße befinden und nicht maskiert sind, mit Ruß im Gesicht
schwarz gemacht. Außerdem werden die Einwohner in ihren Häusern besucht und um
ein Gläschen Schnaps gebeten.
Schon zu Beginn der dreißiger Jahre wurde schwarz gemacht, allerdings nicht in der
heute üblichen Form, sondern von Arbeitslosen, die sich in jener Zeit in der Werkstatt
des Schuhmachers Anton Lugibihl aufhielten. Diese machten alle Leute schwarz, die in seine
Werkstatt kamen. Ob es sich dabei um einen Jux oder eine ältere Tradition gehandelt hat,
lässt sich nicht mehr sagen.
Sicher ist die heutige Art Empfinger Ursprungs. 1949/1950 waren es als Erste August
Kronenbitter und Kurt Lugibihl, die sich die „Gatterhauben“ von Empfingern ausgeliehen
und in Dettensee benutzt haben.
Starken Auftrieb bekam die Sache, nachdem am Ort eine Näherei eingerichtet worden war,
denn die hauptsächlich jungen männlichen Maskenträger machten sich einen Spaß
daraus, die Frauen der Näherei schwarz zu machen.
Bis heute ist die „Schwarzmacherei“ nicht ganz unumstritten, denn es kommt vor allem
mit Auswärtigen, die zufällig in Dettensee sind, zu Meinungsverschiedenheiten.
Anfangs waren auch die älteren Dettenseer nicht begeistert von dieser Art Fasnet, eben
da die Hexen nicht auf der Straße bleiben, sondern auch in die Häuser eindringen.
Dabei ging einmal ein Hausbesitzer mit dem Beil auf einen Eindringling los. Auch das Hetzen
von Hunden oder das Drohen mit einer Heugabel kam schon vor.
Gegen Ende der sechziger Jahren entwickelte sich die Fasnet in ihrer momentanen Form. Mit
Fertigstellung seines Sportheims veranstaltete der SSV Dettensee seinen Fasnetsball. Auch das
Gasthaus Hirsch hatte zur damaligen Zeit seinen Hausball.
Mit dem neuen Gemeindesaal begann ab Mitte der siebziger Jahre das Interesse an der Fasnet
wieder zu steigen. Jetzt wurde aber der Schwerpunkt von der Straße in den Saal verlegt.
Aus Traditionsgründen und weil es finanziell der beste Tag ist, behielt man den
Fasnetsdienstag mit Umzug bei, der sich Dank verschiedener Frauengruppen recht abwechslungsreich gestaltet.
Auch der Obst- und Gartenbauverein trat lange Jahre Jahr mit einer originellen Idee beim
Umzug auf. Selbst auswärtige Gruppen sind beim Umzug jedes Jahr vertreten. Inzwischen nehmen
auch die Dettenseer Jugendlichen jedes Jahr mit einem neuen Thema am Umzug teil.
So ist es schon vorgekommen, dass mehr Personen am Umzug mitwirkten, als Zuschauer
an der Straße standen. Die musikalische Begleitung wird von den Musikvereinen aus
Nordstetten und Wiesenstetten besorgt.
Etwas für die Dettenseer Fasnet völlig Neues ist die Narrenzunft, die sich 1993 aus
den schon in den 80er Jahren gegründeten „Habshexen“ entwickelte.
Der Verein besteht aus zwei „Sparten“, den sehr mitgliedsstarken „Habshexen“
und den reltaiv kleinen „Schandle“, die zwei ältere Masken reaktiviert haben.
Die Narrenzunft findet regen Zulauf und ist bei Veranstaltungen der näheren und weiteren
Umgebung dabei. Allerdings ist zum einen streitbar, ob die Figur einer „Habshexe“
(„Habs“ ist der Spitzname der Dettenseer) besonders glücklich gewählt
ist oder ob nicht z.B. eine „Seewaldhexe“ passender gewesen wäre; zum anderen
wirkt sich der Zulauf zu den Hexen natürlich negativ auf die anderen
„Amateur“-Gruppen aus.
So bleibt abzuwarten, ob sich die Narrenzunft überhaupt zu einer „Tradition“ etablieren
kann und ob die anderen Gruppen überleben können. Denn es ist möglich, dass die
jetzt noch vorhandenen anderen Gruppen altersbedingt aufhören werden. Wie dann ein Umzug
mit 70 Hexen und zwei Musikkapellen bei der Bevölkerung ankäme, wird sich noch
zeigen müssen.
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Letzte Änderung: 10. September 2001 - www.dettensee.net
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